01 / Die Herkunft · 1994—Heute
BLOOD ON THE BLOCK.
Hayati Jackson ist heute 32 Jahre alt. Seine Kindheit verbrachte er in South Los Santos, zwischen engen Wohnblocks, kaputten Straßenlaternen und einer Mutter, die nachts im Laden arbeitete, damit ihre Söhne am Morgen etwas auf dem Tisch hatten. Geld war selten, Stolz dagegen überall. Sein älterer Bruder Malik war für ihn Beschützer, Vorbild und die einzige Person, die ihm beibrachte, dass Loyalität mehr bedeutet als eine grüne Farbe.
Als Hayati siebzehn war, wurde der kleine Laden seiner Mutter überfallen. Der Mann hinter dem Überfall war kein Fremder: Er hatte mit der Familie gegessen, Malik die Hand geschüttelt und ihre Haustür gekannt. Malik weigerte sich, den Aufenthaltsort eines Grove-Mitglieds zu verraten, und bezahlte dafür mit seinem Leben. Hayati kam wenige Minuten zu spät. Er fand nur eine zerbrochene Scheibe, das Blaulicht auf dem Asphalt und Maliks Jacke hinter dem Tresen. Dieses Bild verließ ihn nie.
Nach Maliks Beerdigung zerbrach das Zuhause endgültig. Seine Mutter verließ Los Santos, weil jede Straßenecke sie an ihren Sohn erinnerte. Sein Vater versank in Alkohol und verschwand irgendwann ganz. Hayati blieb in Davis, schlief zeitweise auf Sofas von Freunden und suchte die Schuld für alles bei der Welt. Aus Trauer wurde Wut. Ein schiefgelaufener Deal brachte ihn schließlich für mehrere Monate hinter Gitter; draußen warteten weder Geld noch eine heile Familie.
Doch die Zeit veränderte ihn. Er begriff, dass die Straße nicht noch einen Mann brauchte, der am lautesten drohte, sondern einen, der blieb, wenn alle anderen verschwanden. Hayati organisierte Hilfe für die Jüngeren, schlichtete Streit zwischen alten Freunden und hielt Versprechen, selbst wenn sie ihn etwas kosteten. Respekt kam nicht über Nacht. Er wuchs mit jeder Entscheidung, bei der Hayati zuerst an seine Leute dachte. So wurde aus dem Jungen, der alles verloren hatte, ein Mann, dem andere freiwillig folgten.